Tonleitern und Skalen

von Ulrich Kaiser



In Musiklehren findet man die häufig die folgenden Bezeichnungen für Tonleitern und Skalen. Klicken Sie auf einen Namen, um weitere Informationen zum Aufbau und zur Besonderheit der jeweiligen Tonfolge zu erhalten:


Tetrachorde

Als Tetrachord (von τετρα = vier und chorda = Saite) wird eine Tonleiter aus nur vier Tönen bezeichnet. Am gebräuchlichsten sind heute Tetrachorde, in denen nur Ganz- und Halbtonschritte vorkommen:

1. Halbtonschritt an letzter Stelle

Der Tetrachord mit der Struktur Ganzton (= 2 Halbtonschritte) - Ganzton (2) - Halbton (= 1 Halbtonschritt) wird auch als Dur-Tetrachord bezeichnet, weil mit ihm die Durtonleiter beginnt:

2. Halbtonschritt in der Mitte

Der Tetrachord mit der Struktur Ganzton (2) - Halbton (1) - Ganzton (2) wird auch als Moll-Tetrachord (oder auch: dorisches Tetrachord) bezeichnet, weil mit ihm die Molltonleiter (bzw. die dorische Tonleiter) beginnt:

3. Halbtonschritt an erster Stelle

Der Tetrachord mit der Struktur Halbton (1) - Ganzton (2) - Ganzton (2) wird auch als Phrygisches-Tetrachord bezeichnet, weil mit ihm die phrygische Tonleiter beginnt:

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Dur-Tonleiter

Die Durtonleiter lässt sich als Zusammensetzung aus zwei Dur-Tetrachorden verstehen:

Oft wird die Durtonleiter auch als Auschnitt (= 6 Quinten) aus der Quintenkette bzw. aus dem Quintenturm erklärt. Eine weitere Erklärung ergibt sich aus ihrer Intervallstruktur bzw. der Folge Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton - Ganzton - Halbton bzw. in Kurzschreibweise 2-2-1-2-2-2-1 (2 = Ganzton und 1 = Halbton). Der erste bzw. tiefste Ton der Durtonleiter wird als Grundton bezeichnet:

Diese Struktur findet sich auf dem Klavier zwischen den weiße Tasten vom Ton c aus:

Wenn Sie die Töne der Durtonleiter von einem gegebenen Ton aus bestimmen möchten, notieren Sie hierzu am besten in einem ersten Schritt acht Stammtöne (ohne Vorzeichen) von dem gegebenen Ton aus. Für den Ton d lauten diese Stammtöne zum Beispiel: d-e-f-g-a-h-c-d (untere Ebene in der nachstehenden Abbildung). Überprüfen Sie anschließend, an welchen Stellen die Struktur der Durtonleiter von der Struktur der Stammtöne abweicht:

Der zweite Tonschritt auf der Ebene der Stammtöne ist beispielsweise ein Halbtonschritt (1), der zweite Tonschritt für die Durtonleiter muss jedoch ein Ganztonschritt sein (2). Um diese Struktur herzustellen, müssen Sie das f um einen halben Ton erhöhen, dass heißt zu fis alterieren (= chromatisch verändert werden). Aus dem gleichen Grund muss auch das c zu cis alteriert werden. Die Notation der D-Dur Tonleiter in einem Notensystem sieht wie folgt aus:

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Moll-Tonleitern

Die natürliche Molltonleiter (oder auch nur Molltonleiter) lässt sich als Zusammensetzung aus dem Moll-Tetrachord (unten) und dem Phrygischen-Tetrachord (oben) verstehen:

Auch die natürliche Molltonleiter lässt sich als Auschnitt (= 6 Quinten) aus der Quintenkette bzw. aus dem Quintenturm verstehen. Als Intervallstruktur der Tonleiter ergibt sich die Folge Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton bzw. in Kurzschreibweise 2-1-2-2-1-2-2. Der erste bzw. tiefste Ton der Molltonleiter ist der Grundton:

Diese Struktur findet sich auf dem Klavier zwischen den weiße Tasten vom Ton a aus:

Wenn Sie die Töne der Molltonleiter von einem gegebenen Ton aus bestimmen möchten, notieren Sie hierzu am besten in einem ersten Schritt acht Stammtöne (ohne Vorzeichen) von dem gegebenen Ton aus. Für den Ton d lauten diese Stammtöne beispielsweise: d-e-f-g-a-h-c-d (untere Ebene in der nachstehenden Abbildung). Überprüfen Sie anschließend, an welchen Stellen die Struktur der Molltonleiter von der Struktur der Stammtöne abweicht:

Der fünfte Tonschritt muss in der natürlichen Molltonleiter beispielsweise ein Halbtonschritt (1) sein, auf der Ebene der Stammtöne findet sich an dieser Setlle jedoch Ganztonschritt (2). Das heißt, dass für die Struktur der natürlichen Molltonleiter das h um einen halben Ton erniedrigt, also zu b alteriert (= chromatisch verändert) werden muss. Die Notation einer d-Moll Tonleiter im Notensystem sieht wie folgt aus:

Die melodische Molltonleiter ist ein Hilfsmittel, um sich bestimmte Vorzeichen in sehr typischen melodischen Wendungen erklären zu können. Das folgende Notenbeispiel zeigt links den Anfang der zweistimmigen Invention in e-Moll BWV 778 von Johann Sebastian Bach, rechts wurden alle Töne des Beispiels zu einer Tonleiter geordnet. In dieser sogenannten melodischen Molltonleiter werden die Vorzeichen cis und dis berücksichtigt, die Bach am Anfang seiner e-Moll-Invention aus melodischen Gründen verwendet hat:

Die melodische Molltonleiter lässt sich als Zusammensetzung aus dem Moll-Tetrachord (unten) und dem Dur-Tetrachord (oben) verstehen, auch in der melodischen Molltonleiter ist der erste bzw. tiefste Ton der Grundton:

Da die melodische Molltonleiter nur ein Hilfsmittel zur Erklärung bestimmter Vorzeichen ist, verbindet sich mit dieser Tonleiter − anders als zum Beispiel die natürliche Molltonleiter − nicht eine eigenständige Tonart (Sie können beispielsweise ein melodisches e-Moll nicht durch eine Generalvorzeichnung vorgeben). Möchten Sie die Töne dieser Skala bestimmen, errechnen Sie zuerst die Töne der natürlichen Molltonleiter und erhöhen Sie anschließend die VI. und VII. Tonleiterstufe (also zum Beispiel in e-Moll die Töne c und d zu cis und dis).

Die harmonische Molltonleiter ist − wie die melodische Molltonleiter − eine Hilfskonstruktion, um sich den künstlich erhöhten Leitung in einer Kadenz über eine Tonleiter erklären zu können:

Das folgende Beispiel zeigt eine Kadenz. Die Terz der Subdominante d-Moll f (6. Ton der Tonleiter) und die Terz der Dominante E-Dur gis (= Leitton bzw. erhöhter 7. Ton der Tonleiter) wurden rot markiert. Diese beiden Töne ergeben als Tonleiter notiert (im Beispeil oben) zwischen dem 6. und 7. Ton eine übermäßigen Sekundschritt (= 3 Halbtonschritte):

Da auch die harmonische Molltonleiter nur ein Hilfsmittel zur Erklärung des Leittons ist, verbindet sich auch mit dieser Tonleiter keine eigenständige Tonart (Sie können beispielsweise ein harmonisches a-Moll nicht durch eine Generalvorzeichnung vorgeben). Möchten Sie die Töne dieser Skala bestimmen, errechnen Sie zuerst die Töne der natürlichen Molltonleiter und erhöhen Sie anschließend die VII. Tonleiterstufe (bzw. erzeugen Sie durch Vorzeichen einen künstlichen Leitton, also zum Beispiel in a-Moll durch Erhöhung des Tons g zu gis).

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Kirchentonleitern

Die dorische Tonleiter lässt sich als Zusammensetzung aus zwei Moll-Tetrachorden verstehen:

Auch die dorische Tonleiter lässt sich als Auschnitt (= 6 Quinten) aus der Quintenkette bzw. aus dem Quintenturm verstehen. Als Intervallstruktur der Tonleiter ergibt sich die Folge Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton bzw. in Kurzschreibweise 2-1-2-2-2-1-2.

Diese Struktur findet sich auf dem Klavier zwischen den weiße Tasten vom Ton d aus:

Wenn Sie Dorisch von einem gegebenen Ton aus bestimmen möchten, notieren Sie hierzu am besten in einem ersten Schritt acht Stammtöne (ohne Vorzeichen) von dem gegebenen Ton aus. Für den Ton e lauten diese Stammtöne zum Beispiel: e-f-g-a-h-c-d-e (untere Ebene in der nachstehenden Abbildung). Überprüfen Sie anschließend, an welchen Stellen die Struktur Dorisch von der Struktur der Stammtöne abweicht:

Der erste Tonschritt auf der Ebene der Stammtöne ist beispielsweise ein Halbtonschritt (1), für die dorische Tonleiter wird hier jedoch ein Ganztonschritt (2) benötigt. Um diese Struktur herzustellen, müssen Sie das f um einen halben Ton erhöhen, dass heißt zu fis alterieren (= chromatisch verändern). Aus dem gleichen Grund muss auch das c zu cis erhöht werden. Die phrygische Tonleiter von dem Ton e aus lautet: e-fis-g-a-h-cis-d-e

Die Notation der e-dorischen Tonleiter in einem Notensystem sieht wie folgt aus:

Im Hinblick auf alte Tonarten wurde zwischen authentischen und plagalen Tonarten unterschieden. Das Thema alte Tonarten ist allerdings sehr viel komplexer, als die Angabe einer Tonleiter und wird daher in einem eigenen Tutorial besprochen. Wird für eine Kirchentonarten eine Tonleiter angegeben, ist fast immer ein neuers Verständnis von Kirchentonarten gemeint, dass sich lediglich auf die Töne einer Skala bezieht (und das mit dem Tonartverständnis alter Musik nicht viele Gemeinsamkeiten hat). Ein solches Verständnis ist typisch für den Jazz und beispielsweise auch für die Musik von Bela Bartóks. Das folgende Stück aus Bartóks Mikrokosmos trägt die Titel »Dór hangsor« (Dorische Tonart) und verwendet − mit Ausnahme des fis im Schlussakkord, das auch als »picardische Terz« bezeichnet wird − nur Töne der dorischen Tonleiter von d aus:

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Die phrygische Tonleiter lässt sich als Zusammensetzung aus zwei phrygischen Tetrachorden verstehen:

Die phrygische Tonleiter lässt sich gleichzeitig als Auschnitt (= 6 Quinten) aus der Quintenkette bzw. aus dem Quintenturm verstehen. Als Intervallstruktur der Tonleiter ergibt sich die Folge Halbton - Ganzton - Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton bzw. in Kurzschreibweise 1-2-2-2-1-2-2.

Diese Struktur findet sich auf dem Klavier zwischen den weiße Tasten vom Ton e aus:

Wenn Sie Phrygisch von einem gegebenen Ton aus bestimmen möchten, notieren Sie hierzu am besten in einem ersten Schritt acht Stammtöne (ohne Vorzeichen) von dem gegebenen Ton aus. Für den Ton d lauten diese Stammtöne zum Beispiel: d-e-f-g-a-h-c-d (untere Ebene in der nachstehenden Abbildung). Überprüfen Sie anschließend, an welchen Stellen die Struktur Phrygisch von der Struktur der Stammtöne abweicht:

Der erste Tonschritt auf der Ebene der Stammtöne ist ein Ganztonschritt (2), für die phrygische Tonleiter wird hier jedoch ein Halbtonschritt (1) benötigt. Um diese Struktur herzustellen, müssen Sie das e um einen halben Ton erniedrigen, dass heißt zu es alterieren (= chromatisch verändern). Aus dem gleichen Grund muss auch das h zu b erniedrigt werden. Die phrygische Tonleiter von dem Ton d aus lautet also: d-es-f-g-a-b-c-d

Die Notation der d-phrygischen Tonleiter in einem Notensystem sieht wie folgt aus:

Im Hinblick auf die das Thema phrygisch/alte Tonarten gilt das im Zusammenhang mit dem Dorischen Gesagte.

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Die lydische Tonleiter lässt sich als Zusammensetzung aus drei Ganztonschritten und einem Dur-Tetrachord verstehen:

Die lydische Tonleiter lässt sich auch als Auschnitt (= 6 Quinten) aus der Quintenkette bzw. aus dem Quintenturm verstehen. Als Intervallstruktur der Tonleiter ergibt sich die Folge Ganzton - Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton - Halbton bzw. in Kurzschreibweise 2-2-2-1-2-2-1.

Diese Struktur findet sich auf dem Klavier zwischen den weiße Tasten vom Ton f aus:

Wenn Sie Lydisch von einem gegebenen Ton aus bestimmen möchten, notieren Sie hierzu am besten in einem ersten Schritt acht Stammtöne (ohne Vorzeichen) von dem gegebenen Ton aus. Für den Ton d lauten diese Stammtöne zum Beispiel: d-e-f-g-a-h-c-d (untere Ebene in der nachstehenden Abbildung). Überprüfen Sie anschließend, an welchen Stellen die Struktur Phrygisch von der Struktur der Stammtöne abweicht:

Der zweite Tonschritt auf der Ebene der Stammtöne ist ein Halbtonschritt (1), für die lydische Tonleiter wird hier jedoch ein Ganztonschritt (2) benötigt. Um diese Struktur herzustellen, müssen Sie das f um einen halben Ton erhöhen, dass heißt zu fis alterieren (= chromatisch verändern). Und auch das g muss noch erhöht werden, damit vom d aus die drei benötigten Ganztonschritte erklingen. Abschließend wird die Erhöhung des c zu cis benötigt, um den Halbtonschritt zwischen der siebten und achten Tonleiterstufe herzustellen. Die lydische Tonleiter von dem Ton d aus lautet: d-e-fis-gis-a-h-cis-d

Die Notation der d-lydischen Tonleiter in einem Notensystem sieht wie folgt aus:

Im Hinblick auf die das Thema lydisch/alte Tonarten gilt das im Zusammenhang mit dem Dorischen Gesagte.

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