Septakkorde und leitereigene (diatonische) Auflösungen

von Ulrich Kaiser

Es gibt vier verschiedene Septakkordtypen, die in den Tonarten Dur und Moll auf natürliche Weise vorkommen (›natürlich‹ heißt in diesem Zusammenhang: Ohne Anwendung von Vorzeichen, die nicht zur Tonart gehören). Die Bezeichnung von Septakkorden erfolgt dabei immer nach dem gleichen Schema: Zuerst wird die Art der Septime benannt (groß/klein), im Anschluss daran die Dreiklangsstruktur (Dur/Moll) über dem Grundton.


Kleine Septime mit Molldreiklang als Basis = der kleine Mollseptakkord Abbildung kleiner Mollseptakkord


Große Septime mit Durdreiklang als Basis = der großer Durseptakkord Abbildung großer Durseptakkord


Kleine Septime mit Durdreiklang als Basis = der kleine Durseptakkord (kurz: Dominantseptakkord) Abbildung kleiner Durseptakkord (Dominantseptakkord)


kleine Septime mit vermindertem Dreiklang als Basis = der klein-verminderte Septakkord (kurz: halbverminderter Septakkord) Abbildung klein-verminderte Septakkord (halberverminderter Septakkord)

Vorkommen in Dur und Moll

Zur Allgemeinen Musiklehre zählt das Wissen, auf welcher Stufe einer Tonart die genannten Septakkordtypen vorkommen. Das folgende Notenbeispiel zeigt das Vorkommen leitereigener Septakkorde in Dur:

Abb. 1 - Diatonische Septakkorde in Dur

Die Abbildung zeigt auf der I. und IV. Stufe der Durtonleiter einen großen Durseptakkord (c-e-g-h und f-a-c-e). Auf der II., III. und VI. Stufe erklingen dagegen kleine Mollseptakkorde (d-f-a-c, e-g-h-d und a-c-e-g). Zwei Akkorde gibt es in Dur nur ein einziges Mal: Den halbverminderten Septakkord auf der VII. Stufe (h-d-f-a) und den Dominantseptakkord auf der V. Stufe (g-h-d-f). Die nachfolgende Tabelle fasst das Ergebnis für Durtonarten zusammen:

|Septakkordtyp |Vorkommen in Dur | |großer Durseptakkord |I. und IV. Stufe | |kleiner Mollseptakkord |II., III. und VI. Stufe| |klein-verminderter Septakkord (halbverminderter Septakkord)|VII. Stufe | |kleiner Durseptakkord (Dominantseptakkord) |V. Stufe |

Sowohl in Dur- als auch in Molltonarten ist für die V. Stufe ein Dominantseptakkord charakteristisch. In Moll lässt sich der Dominantseptakkord auf der V. Stufe allerdings nur durch Anwendung von Chromatik bzw. durch ein leiterfremdes Vorzeichen (bzw. durch einen ›künstlichen‹ Leitton) erzeugen:

Abb. 2 - Dominantseptakkord der fünften Stufe in Moll

Die nächste Abbildung zeigt die leitereigenen Septakkorde sowie den Dominantsepakkord auf der V. Stufe (mit dem ›künstlichen‹ Leitton gis) für die a-Moll-Tonleiter:

Abb. 3 - Diatonische Septakkorde in Dur

In Moll erklingen große Durseptakkorde auf der III. und VI., kleine Mollseptakkorde auf der I. und IV. Stufe. Der klein-verminderte Septakkord kommt nur auf der II. Tonleiterstufe vor. Eine Besonderheit zeigt sich beim kleinen Durseptakkord bzw. Dominantseptakkord: In Moll findet sich dieser Akkordtyp auf der V. und VII. Stufe, in Dur dagegen nur auf der V.

|Septakkordtyp |Vorkommen in Dur | |großer Durseptakkord |III. und VI. Stufe | |kleiner Mollseptakkord |I. und IV. Stufe | |klein-verminderter Septakkord (halbverminderter Septakkord)|II. Stufe | |kleiner Durseptakkord (Dominantseptakkord) |V. und VII. Stufe |

Es ist sehr nützlich, wenn die in den beiden Tabellen zusammengefassten Ergebnisse schnell auswendig wiedergegeben werden können. Für diejenigen, die einen Widerwillen gegen Auswendiglernen verspüren: Die Ergebnisse lassen sich vergegenwärtigen, wenn man sich die Septakkorde über den Stufen der C-Dur vorstellt. Die Stufe eines Septakkordtyps in Dur + 2 ergibt das Vorkommen dieses Septakkordtyps in Moll (Ausnahme: Der kleine Mollseptakkord auf der III. Stufe in Dur, der sich nicht auf der V. Stufe in Moll findet, da diese Stufe − wie bereits erwähnt − auch in Moll durch den Dominantseptakkord charakterisiert ist.

Abb. 4 - Diatonische Septakkorde in C

Auflösungen

Wird ein dissonanter Klang als Akkord wahrgenommen (also als eine unteilbare klangliche Einheit), erkennen wir auch in seiner Auflösung einen Akkord, wobei die Beziehung der Akkorde üblicher Weise über einen Fundamentschritt beschrieben wird. Für die Auflösung von Septakkorden (also von Dominanten im Sinne Rameaus) ist ein Quintfall im Fundament charakteristisch, die Auflösung über einen Sekundanstieg jedoch ebenfalls gebräuchlich. Die einfachste Auflösung von Septakkorden kann daher über die Quintfallsequenz erfolgen. Die nachfolgende Abbildung zeigt die Stufenabfolge einer Quintfallsequenz:

Abb. 5 - Stufenabfolge der Quintfallsequenz IV-I

Beispiel I: Gegeben ist der halbverminderte Septakkord e-g-b-d, der in eine I. Stufe (bzw. Tonika) aufgelöst werden soll. Wenn man weiß, dass dieser Akkordtyp auf der VII. Stufe in Dur und auf der II. Stufe in Moll vorkommt, dann lassen sich die Zieltonarten über einen einfachen Dreisatz errechnen:

|Bezugspunkt in C|Gesuchte Zieltonart| |Der halbverminderte Sepatakkord (h-d-f-a kommt auf der VII. Stufe in C-Dur vor. Der Ton h ist die VII. Stufe in C-Dur...|...genau so wie e die VII. Stufe in F-Dur ist. Der halbverminderte Sepatakkord (e-g-b-d charakterisiert also die VII. Stufe in F-Dur.| |Der halbverminderte Sepatakkord (h-d-f-a kommt auf der II. Stufe in a-Moll vor. Der Ton h ist die II. Stufe in C-Dur...|...genau so wie e die II. Stufe in d-Moll ist. Der halbverminderte Sepatakkord (e-g-b-d charakterisiert also die II. Stufe in d-Moll.|

Auflösung des halbverminderten Septakkords e-g-b-d über die Stufen der Quintfallsequenz nach F-Dur sowie d-Moll:

Abb. 6 - Auflösung über die Quintfallsequenz VII-III-VI-II-V-I

Abb. 7 - Auflösung über die Quintfallsequenz II-V-I

Auflösungen des halbverminderten Septakkords e-g-b-d über die Quintfallsequenz in Noten:

Abb. 8 - Notenbeispiel für die Auflösung des Akkord e-g-b-d über die Quintfallsequenz nach F-Dur und d-Moll

Anmerkungen: Achten Sie bei der Auflösung über die Quintfallsequenz a) auf die Verwendung der Vorzeichen der Zieltonart (im Beispiel: b) sowie die metrische Stellung der ersten Stufe auf schwerer Zeit.

Beispiel II: Gegeben ist der kleine Mollseptakkord h-d-fis-a, der in eine I. Stufe (bzw. Tonika) aufgelöst werden soll. Wenn man weiß, dass dieser Akkordtyp auf der II., III. und VI. Stufe in Dur sowie auf der I und IV. Stufe in Moll vorkommt, dann lassen sich die Zieltonarten wieder über den einfachen Dreisatz errechnen:

|Bezugspunkt in C|Gesuchte Zieltonart| |Der kleine Mollseptakkord (d-f-a-c kommt auf der II. Stufe in C-Dur vor. Der Ton d ist die II. Stufe in C-Dur...|...genau so wie h die II. Stufe in A-Dur ist. Der kleine Mollseptakkord (h-d-fis-a charakterisiert also die II. Stufe in A-Dur.| |Der kleine Mollseptakkord (e-g-h-d kommt auf der III. Stufe in C-Dur vor. Der Ton e ist die III. Stufe in C-Dur...|...genau so wie h die III. Stufe in G-Dur ist. Der kleine Mollseptakkord (h-d-fis-a charakterisiert also die III. Stufe in G-Dur.| |Der kleine Mollseptakkord (a-c-e-g kommt auf der VI. Stufe in C-Dur vor. Der Ton a ist die III. Stufe in C-Dur...|...genau so wie h die VI. Stufe in D-Dur ist. Der kleine Mollseptakkord (h-d-fis-a charakterisiert also die VI. Stufe in D-Dur.| |Der kleine Mollseptakkord (a-c-e-g kommt auf der I. Stufe in a-Moll vor. Der Ton a ist die I. Stufe in a-Moll...|...genau so wie h die I. Stufe in h-Moll ist. Der kleine Mollseptakkord (h-d-fis-a charakterisiert also die I. Stufe in h-Moll.| |Der kleine Mollseptakkord (d-f-a-c kommt auf der IV. Stufe in a-Moll vor. Der Ton d ist die IV. Stufe in a-Moll...|...genau so wie h die IV. Stufe in fis-Moll ist. Der kleine Mollseptakkord (h-d-fis-a charakterisiert also die IV. Stufe in fis-Moll.|

Auflösung des kleinen Mollseptakkords h-d-fis-a über die Stufen der Quintfallsequenz nach A-Dur, G-Dur, D-Dur, h-Moll und fis-Moll:

Abb. 9 - Auflösung über die Quintfallsequenz II-V-I

Abb. 10 - Auflösung über die Quintfallsequenz III-VI-II-V-I

Abb. 11 - Auflösung über die Quintfallsequenz VI-II-V-I

Abb. 12 - Auflösung über die Quintfallsequenz I-IV-VII-III-VI-II-V-I

Abb. 13 - Auflösung über die Quintfallsequenz IV-VII-III-VI-II-V-I

Auflösungen des kleinen Mollseptakkords h-d-fis-a über die Quintfallsequenz in Noten:

Abb. 14 - Notenbeispiel für die Auflösung des Akkord h-d-fis-a über die Quintfallsequenz nach A-Dur, G-Dur, D-Dur, h-Moll und fis-Moll

Für einige Stufen bietet sich auch die Auflösung über eine Kadenz an. Für die letzten beiden Beispiele (h-d-fis-a als I. Stufe in h-Moll und IV. Stufe in fis-Moll) könnte eine Auflösung daher auch wie folgt aussehen.

Auflösung des kleinen Mollseptakkords h-d-fis-a über eine Kadenz nach h-Moll und fis-Moll:

Abb. 15 - Auflösung über I-IV-V-I-Kadenz

Abb. 16 - Auflösung über die IV-V-I-Kadenz

Auflösung des kleinen Mollseptakkords h-d-fis-a über eine Kadenz in Noten:

Abb. 17 - Notenbeispiel für die Auflösung des Akkord h-d-fis-a nach h-Moll und fis-Moll über eine Kadenz

Aufgabe 1

Löse die folgenden Akkorde diatonisch auf:

g-b-d-f in fünf verschiedene Tonarten

Aufgabe 1 - Akkordauflösung 1a

Aufgabe 1 - Akkordauflösung 2b

e-gis-h-dis in vier verschiedene Tonarten

Aufgabe 1 - Akkordauflösung 2

f-as-c-es in fünf verschiedene Tonarten

Aufgabe 1 - Akkordauflösung 3a

Aufgabe 1 - Akkordauflösung 3b

d-f-as-c in zwei verschiedene Tonarten

Aufgabe 1 - Akkordauflösung 4

b-d-f-as in zwei verschiedene Tonarten

Aufgabe 1 - Akkordauflösung 5

g-h-d-fis in vier verschiedene Tonarten

Aufgabe 1 - Akkordauflösung 6