Motivo di Cadenza (Unterquintmodulation)

von Ulrich Kaiser

Im dritten Band des Traktats ›Documenti armonici‹ (Bologna 1687) zeigt Angelo Berardi unter dem Titel ›Motivo di cadenza‹ einige Notenbeispiele. Ihnen lässt sich leider nicht eindeutig entnehmen, was Berardi unter diesem Begriff verstand. Im Lexikon von Johann Gottfried Walther (1732), der mit Johann Sebastian Bach befreundet war, findet sich dann gut 50 Jahre später ein Eintrag zum Stichwort ›Motivo di Cadenza‹:

Motivo di Cadenza - Notenbeispiel 1

Auch Walthers Lexikoneintrag ist heute kaum mehr verständlich. Der Satz wenn die aus der Wechselweise aufsteigenden Quart- und absteigenden Quint-Intervallis bestehende Grund=Stimme ist allerdings ein Indiz dafür, dass Walther als »Motivo di Cadenza« eine spezielle Form der Quintfallsequenz angesehen hat. Eine solche klanglich außergewöhnliche Quintfallsequenz findet sich zum Beispiel in der Es-Dur Fuge im zweiten Band des Wohltemperierten Klaviers von J. S. Bach (BWV 876):

Motivo di Cadenza - Notenbeispiel 2